Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt für Opfer von Menschenhandel

   In Österreich bestimmt der Aufenthaltstitel, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Drittstaatsangehörige Zugang zum Arbeitsmarkt hat. Betroffene von Menschenhandel haben Anspruch auf eine „Aufenthaltsberechtigung besonderer Schutz“ (Abs. 57 (1) 2 des Asylgesetzes), die speziell für Opfer und Zeug*innen von Straftaten, insbesondere Zeug*innen oder Opfer von Menschenhandel, grenzüberschreitender Prostitution oder familiärer Gewalt, geschaffen wurde. Der Aufenthaltstitel „besonderer Schutz“ erlaubt den Zugang zum Arbeitsmarkt nur mit der gleichzeitigen Erteilung einer Beschäftigungsbewilligung. Dies bedeutet, dass der volle Zugang zum Arbeitsmarkt ausschließlich unter der Bedingung besteht, dass die Tätigkeit erst dann aufgenommen werden kann, wenn der Arbeitsmarktservice (AMS) eine zusätzliche, an eine bestimmte Arbeitsstelle gebundene, Beschäftigungsbewilligung genehmigt hat. Dabei gibt es keine Arbeitsmarktprüfung und Inhaber*innen des Sonderschutztitels konkurrieren daher nicht mit österreichischen oder EU-/EWR-Bürger*innen um die Besetzung einer Stelle. Eine Tatsache, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist.

   Die Arbeitgeber*in muss die Beschäftigungsbewilligung beantragen, was zu einer Abhängigkeit führen kann. Denn die Arbeitserlaubnis muss jedes Jahr erneuert werden, und für jeden neuen Arbeitsplatz ist eine neue Arbeitserlaubnis erforderlich. Auch bei Vertragsänderungen innerhalb desselben Unternehmens, sei es ein Stellenwechsel oder eine Änderung der Wochenarbeitszeit, muss eine neue Beschäftigungsbewilligung erteilt werden.

   Wenn nach einem Jahr das Gerichtsverfahren noch läuft und die Frau eine gesicherte Existenzgrundlage sowie Deutschkenntnisse auf mindestens A2-Niveau nachweisen kann, besteht die Möglichkeit, auf eine Niederlassungsbewilligung Rot-Weiss-Rot-Karte plus (Paragraph 41a NAG) mit freiem Zugang zum Arbeitsmarkt umzusteigen.

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